{"id":2115,"date":"2015-10-06T08:55:29","date_gmt":"2015-10-06T06:55:29","guid":{"rendered":"http:\/\/bautzener-crossduathlon.allisat-software.net\/?p=2115"},"modified":"2017-08-17T16:16:01","modified_gmt":"2017-08-17T14:16:01","slug":"noch-ein-beitrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bautzener-crossduathlon.de\/?p=2115","title":{"rendered":"Von Null auf Crossduathlon \u2013 Ein Erlebnisbericht"},"content":{"rendered":"<p>Zugegeben, es ist ziemlich verr\u00fcckt, ohne nennenswerte Cross-Erfahrung mit einem geliehenen Mountainbike einen Cross-Wettkampf zu fahren. Es ist auch nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen, aber es hat Spa\u00df gemacht.<\/p>\n<p>Aber von vorn: Etwa zwei Wochen vor dem 2. Bautzener Crossduathlon ergab sich f\u00fcr mich \u00fcberraschend die M\u00f6glichkeit, an diesem Wettkampf teilzunehmen. Mein Kollege und Vereinskamerad Mathias wollte gern den L\u00e4uferteil in einer Staffel \u00fcbernehmen, ihm fehlte aber der Radfahrer. Ich war den ganzen Sommer mit dem Rad unterwegs, 60 bis 80 km im sportlichen Tempo war kein Problem, also sollten auch 20 km im Gel\u00e4nde funktionieren. Also haben wir uns angemeldet.<\/p>\n<p>Meine Cross-Erfahrungen liegen 25 oder auch 30 Jahre zur\u00fcck. Damals, im jugendlichen Alter, musste ich mit dem Rennrad durch den Wald crossen (Vermutlich war zu dieser Zeit das Mountainbike noch gar nicht erfunden, zumindest auf dieser Seite Deutschlands) \u201eQuerfeldein\u201c nannte man es damals und ich habe es gehasst. Zum einen wegen meines Rennrades, zum anderen wegen Abfahrten mit Spitzkehren und Anstiegen, die selbst schiebenderweise (f\u00fcr mich) kaum zu bezwingen waren. Trotzdem hatte es mich im vorigen Jahr schon gereizt einmal am Crossduathlon teilzunehmen.<\/p>\n<p>Da beim Bautzener Crossduathlon ein MTB Pflicht ist, habe ich versucht ein MTB auszuleihen. Professionelle Fahrrad-Verleiher hatten immer eine andere Begr\u00fcndung, das Ergebnis war das gleiche: Es gab kein Mountainbike auszuleihen. Da ich ja \u201eErfahrung\u201c mit dem Rennrad hatte, war ich schon bereit mit einem gefederten Stadt-Rad zu fahren. Eine Idee hatte ich aber noch: Eine Rundmail an die Triathleten des BLV.<\/p>\n<p>Ich hatte recht schnell drei Angebote bekommen. Ein einfaches O-See-erprobtes Rad war gleich mein Favorit. Gl\u00fccklicherweise hatte es auch Kombi-Pedalen, so dass ich keine Spezialschuhe brauchte. Zu einer Probefahrt ist es aus zeitlichen Gr\u00fcnden nicht gekommen, \u201eWir treffen uns am Sonntagvormittag im Humboldthain\u201c \u2026<\/p>\n<p>Ein Rad hatte ich also. Zwei Stunden vor dem Wettkampfstart bin ich zum ersten Mal auf dieses Rad gestiegen und habe die Wettkampfrunde inspiziert. Gleich aus dem Stadion heraus: Eine Abfahrt mit Spitzkehre! Also Bremsen \u2013 Wow! \u2013 Hydraulikbremsen, was f\u00fcr ein Gef\u00fchl! \u2013 Kehre ging so \u2013 schnell schalten um den Anstieg wieder hoch zu kommen \u2013 ging auch. Nach der n\u00e4chsten Kurve kam eine kurze aber steile Abfahrt. \u201eUff, hier soll ich runter?\u201c, nach der n\u00e4chsten Kurve gleich noch so ein Ding. \u201eOkay, falls jemand hinter mir ist, werde ich ihn freundlicherweise erst vorbei lassen.\u201c Mit den Bremsen war es aber kein Problem, lebendig unten anzukommen.<\/p>\n<p>Im weiteren Verlauf der Runde kamen noch drei Spitzkehren bei Abfahrten; eine Treppe runter, aber mit einer \u201eRadrinne\u201c daneben und nicht so steil wie die ersten beiden Abfahrten. Gl\u00fccklicherweise fehlten die \u201eun\u00fcberwindbaren\u201c Anstiege. Trotzdem hatte ich zwei Anstiege identifiziert, dass es einfacher ist hoch zu schieben als zu fahren. Schon nach der ersten Runde war der Puls ordentlich hoch, die Geschwindigkeit im Keller. Also gleich noch eine Runde. Sagenhafte 10,8 km\/h im Durchschnitt! Ich gebe Mathias Bescheid, dass er eine l\u00e4ngere Pause zwischen seinen Lauf-Eins\u00e4tzen haben wird. Da der n\u00e4chste Wettk\u00e4mpf beginnt, war das Einfahren beendet. Ich tanke Energie in Form von Kuchen und Cola und warte bis es endlich losgeht.<\/p>\n<p>Nach dem Start musste ich weiter warten, dann Mathias musste erst seine 5 km absolvieren. Ich hatte im Wechselraum Zeit, meine Staffel-Gegner zu betrachten: Einer war deutlich \u00e4lter als ich, zwei ungef\u00e4hr mein Alter, vier Frauen und sonst deutlich j\u00fcngere Herren, die schon mit ihrem professionelle Outfit auffielen. Das hei\u00dft, eher bin ich mit meiner \u201enormalen\u201c Laufkleidung aufgefallen.<\/p>\n<p>Langsam wird es ernst: Die ersten L\u00e4ufen kommen, die ersten Staffeln sind dabei, schnelle Wechsel, im Sprint auf die Radstrecke \u2026 ich habe mehr Zeit. Mathias kommt mit zwei anderen Sportlern im Schlepptau, also erst einmal z\u00fcgig starten. An den beiden kleinen steilen Abfahrten h\u00f6rte ich jemand anbrettern, sicherlich die beiden, die nach mir gestartet waren \u2013 Fehlanzeige, es waren die F\u00fchrenden, die bereits die zweite Runde in Angriff nahmen! Sie mussten jetzt kurz warten, denn hier ging es nicht zu \u00fcberholen.<\/p>\n<p>Der weitere Verlauf der Runde war ohne nennenswerte Vorkommnisse. Einige \u00dcberholungen, aber an geeigneten Stellen. Beim Schieben berghoch war ich auch kaum langsamer als die, die hoch gefahren sind. Die erste Runde war mit \u00fcber 13 km\/h schon schneller als ich mir nach der Warmfahr-Runde zu tr\u00e4umen gewagt h\u00e4tte. Und so ging es in die zweite Runde.<\/p>\n<p>Durch meine Rundmail wegen des Rades kannten die Triathleten, die als Streckenposten eingeteilt waren, meine Geschichte. So bekam ich quasi an jeder Ecke pers\u00f6nliche Anfeuerungsrufe und Fragen, wie es mir geht und wie ich zurechtkomme. Da ich nicht so schnell unterwegs war, konnte ich auch die eine oder andere Antwort zur\u00fcckwerfen. Die Runden waren kurzweilig, mit der Zeit \u00fcberraschten mich kein Stein, keine Wurzel und kein Baumstumpf mehr, ich kannte sie schon alle. Auch die Angst bergrunter wurde weniger, die Kondition war ordentlich, die Rundenzeiten pegelten sich bei knapp unter 13 Minuten ein. Kurz: Es lief f\u00fcr mich super und besser als ich erwartet habe.<\/p>\n<p>In der f\u00fcnften Runde half ich einem Sportler, der mit Kr\u00e4mpfen vom Rad gehen musste. Ein Streckenposten l\u00f6ste mich ab, so dass ich weiterfahren konnte. Meinem Ziel lachend in die letzte Runde zu gehen, stand nichts mehr entgegen. Eine Runde noch, noch einmal das Tempo hochgezogen, Mathias die Startnummer \u00fcbergeben, damit er noch einmal 2,5 km rennen kann. 1:19 h f\u00fcr 19,1 km entspricht 14,4 km\/h \u2013 Ich habe mich schon lange nicht mehr so \u00fcber 14 km\/h gefreut wie an diesem Tag!<\/p>\n<p>Mathias rannte deutlich schneller als den ersten Teil, wurde aber trotzdem kurz vor dem Ziel \u00fcberholt. Die Zeit blieb bei 1:58:37 stehen, also deutlich unter 2 Stunden. 10 Sportler kamen nach uns noch ins Ziel, darunter auch der Sportler mit den Kr\u00e4mpfen. In der Wertungsklasse \u201eM\u00e4nnerstaffel\u201c belegten wir den 14. (und leider letzten Platz), aber nur mit wenigen Sekunden R\u00fcckstand zum 13. Aber das war v\u00f6llig egal. Es hat Spa\u00df gemacht!<\/p>\n<p>An dieser Stelle m\u00f6chte ich mich noch einmal ganz herzlich bei Tilo bedanken, dass er mir mit seinem Rad dieses Erlebnis \u00fcberhaupt erm\u00f6glicht hat. Mit meinem Stadt-Rad h\u00e4tte es nicht funktioniert. Nach dem Warmfahren hatte ich gesagt, ich mache das nicht wieder. Jetzt bin ich mir da schon gar nicht mehr so sicher. Vielleicht fahre ich wieder mit Tilos Rad, aber ganz sicher w\u00fcrde ich Mathias wieder als Lauf-Partner mitnehmen.<\/p>\n<p>Vielen Dank an den BLV und den RSV f\u00fcr die Ausrichtung des Wettkampfes. Ich bin am 02.10.2016 auf jeden Fall wieder dabei, ob mit dem Rad auf der Strecke oder mit dem Fotoapparat an der Strecke, das wird sich zeigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zugegeben, es ist ziemlich verr\u00fcckt, ohne nennenswerte Cross-Erfahrung mit einem geliehenen Mountainbike einen Cross-Wettkampf zu fahren. Es ist auch nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen, aber es hat Spa\u00df gemacht. Aber von vorn: Etwa zwei Wochen vor dem 2. Bautzener Crossduathlon ergab sich f\u00fcr mich \u00fcberraschend die M\u00f6glichkeit, an diesem Wettkampf teilzunehmen. 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